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Abfahrt!

Seit 6 Tagen bin ich unterwegs. Und das vermeintlich langweiligste Stück der Tour entpuppt sich als eine grüne Idylle.

3.8.2016, 13:06, Gleis 1, Freiburg Hauptbahnhof. Ich bin froh, endlich in den Zug zu steigen. Wochen und Monate des Planens haben ein Ende. Habe ich auch nichts liegenlassen? Alle Dinge geregelt? Ein Pfiff, der Zug fährt ab, und alle diese Fragen sind nun belanglos. Ich beginne zu begreifen, dass es jetzt wirklich losgeht. Und ich frage mich, was mich in den kommenden Wochen auf meiner Reise so alles erwarten wird.

Am Aachener Hauptbahnhof erwartet mich zunächst einmal Claudia; wir freuen uns beide darauf, gemeinsam ins Ruhrgebiet zu fahren. Nach einem schönen Abend unter Aachener Freunden brechen wir auf. Die erste Etappe ist stolze 250m lang, das Ziel ist ein Fahrradgeschäft. Ich hole meine Bestellung ab und nach einer knappen Stunde und dreimaligen An- und Abmontieren der Räder habe ich es endlich geschafft: Zwei neue Mäntel sind am Fahrrad und die Profile rotieren in die richtige Richtung. Wofür ein Fahrradmechaniker maximal zwei Minuten braucht, benötige also ich 60 Minuten. Während so mancher Fahrradfahrer sicherlich eine solche Reparatur als revitalisierendes Entspannungsmantra praktiziert, bin ich alles andere entspannt und freue mich, als dieses Trauerspiel der Fahrradmechanik in drei Akten endlich ein Ende hat.

Das Ziel der ersten Etappe ist Brüggen. Wir trudeln kurz vor Sonnenuntergang auf dem Campingplatz ein, bauen das Zelt auf. Wir stoßen stilecht mit Rotwein aus Plastikbechern auf eine wunderschöne Tour durch die Landschaft des Aachener Landes an. Wirklich grün, wirklich idyllisch. Wir haben Kühe gesehen. Die Mägen füllen wir mit einem improvisierten Reisgericht aus Kohlrabi, Minisalami und Zwiebeln, da das mitgebrachte Einweckessen leider nicht den Geruchstest besteht (ist verdorben). Geflasht von einem tollen Tag schlafen wir ein.

Am nächsten Tag brechen wir zur Mittagszeit auf. Zunächst schauen wir uns Brüggen an und starten den Tag mit einem späten Frühstück. Ich esse Bratkartoffeln mit Spiegelei. Anderswo nennt man das Handwerkerteller. Brüggen gefällt mir, ein schönes malerisches Städtchen, doch wir haben wenig Zeit. Es sind noch knapp 70 Kilometer bis Mülheim an der Ruhr. Das Wetter ist für die Verhältnisse traumhaft schön und trocken - wir werden nur einmal nass. Die Landschaft des Niederrheins ist genauso schön und idyllisch wie im Aachener Land. Wirklich grün. Wir haben Kühe gesehen.

Die kommenden Tage verbringe ich in Mülheim und Essen. Ich habe eine tolle Zeit, entspanne, stimme mich auf die Tour ein. Ich begegne alten und neuen Bekannten, helfe dabei, Ritterburgen zu backen und muss neidisch zugestehen, dass der "Kohlenpott" wirklich grün, wirklich idylllisch ist. Auch wenn ich in Mülheim an der Ruhr keine Kühe gesehen habe.

Am Montag nachmittag breche ich in Mülheim auf. Ich radle noch gemütliche 90km nach Hamm in Westfalen. Ein schöner Weg, und die Radroute schafft es, die hässlichen Ecken des Ruhrgebiets weitestgehend vor mir zu verstecken. Hässlich ist lediglich dieser Abend: Ich komme in der Stadt an, die ich bis jetzt nur als Endstation des RE1 kannte. Unterkunft? Fehlanzeige. Da muss also der Tripadvisor ran. Der Sparfuchs Elias entscheidet sich für das günstigste Hotel im Ort, das Hotel Casino. Und zwanzig Minuten später betrete ich das erste Mal eine Automatenspielhölle, um einzuchecken.

Es bleibt spannend. Fotos folgen.

Written by Elias on Montag August 8, 2016
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